die Zeit der Anfänge

Liebe Leserin, lieber Leser, es ist die Zeit der Anfänge: Mit dem ersten Advent beginnt ein neues Kirchenjahr und im Januar starten wir in das noch ganz frische Jahr 2019.   Immer wieder ein neuer Anfang – in unseren Kirchengemeinden und in unserem Leben – immer wieder neue Gedanken, Entscheidungen, Begegnungen, Blickwinkel… Wir alle wissen, wenn Neues beginnt, ist es spannend, wird auch von Skepsis begleitet, es macht vielleicht auch ein bisschen Angst und weckt gleichzeitig die Freude am Entdecken und Aufbrechen. Für viele von uns ist das neue Jahr der Zeitpunkt, um neu anzufangen, die guten Vorsätze endlich wahr werden zu lassen. Aber anfangen tun wir viel öfters – wir alle sind Anfänger*innen, selbst die Lebenserfahrensten unter uns – und das ist gut so, weil Anfänge das Leben offen halten. Wir gehen auf Weihnachten zu – Gott als kleiner Anfänger, ein Kind im Futtertrog. So fängt neues Leben an - auch mitten im Leben, weil Gott selbst so angefangen hat. Das macht Anfänge, auch wenn sie nicht immer leicht sind, doch verheißungsvoll. Mit Gott haben wir einen Anfänger an unserer Seite, der das Leben liebt, es schützt, es für uns offen hält und uns so begleitet. So lässt sich gut anfangen, auch mit der Jahreslosung für 2019 aus dem 34. Psalm: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Es scheint so, als müsste es auch da noch viel mehr Anfänger*innen geben in unserer Welt, solche, die die Sehnsucht treibt, die einen neuen Anfang suchen wo alles so verworren ist, so zerstritten, so ruiniert – in den Kriegsgebieten, auf den Finanzmärkten, in der ausgebeuteten Schöpfung. Wie dringend braucht es da Menschen, Anfänger*innen, die sich nicht beirren lassen, die immer neu anfangen, Frieden zu suchen oder wie es hebräisch heißt „schalom“. In Schalom steckt die große Sehnsucht, ja die unverbrüchliche Hoffnung, dass ein gutes und gerechtes Miteinander möglich ist und auch tatsächlich gelebt wird, unter uns Menschen und auch im Miteinander mit der ganzen Schöpfung. Frieden, „schalom“ fängt immer im Kleinen an – so klein wie das Kind in der Krippe, das uns vorgelebt hat, was es heißt im Frieden zu leben, ja auch für den Frieden zu streiten, Frieden zu stiften. Frieden fängt immer im Kleinen an und ich finde, das ist für uns ein sehr guter Anfang! In diesem Sinne gutes Neues! Ihre Pfarrerin Bärbel Gnamm

... es ist im April 1963, als der erste Gemeindebrief, „Unser Gemeindebrief“, damals noch der Auferstehungskirche, die Gemeindeglieder als doppelseitig beschriftetes Din A4 Blatt hier im Schlösslesfeld erreicht.

 

„[…] die Bitte: Möge der Brief von jedem Empfänger als ein persönlicher und herzlich gemeinter Händedruck des Pfarrers genommen werden“, heißt es da und weiter: „Das Unser möchte aber auch die Empfänger des Briefes zusammenbinden. Das Wohnen in einer bestimmten Straße und in der Nähe bestimmter Menschen mag zufällig sein. Aber es ist blutnötig, daß die unter dem gemeinsamen „Unser Vater“ Zusammengehörigen dahin kommen, daß sie – sehr bewußt – „getreue Freunde, gute Nachbarn und dergleichen“ werden, wie Luther das in seiner Erklärung zu eben jenem „Unser Vater“ sagt. Dieses „Unser“ zielt auf wirkliche, nicht nur geistige Gemeinschaft. Deshalb die weitere Bitte: Die zweite Seite unseres Briefes möchte beachtet sein. Dort wird die Gelegenheit zu gemeinsamem Hören im Gottesdienst, zum Beisammensein in verschiedenen Kreisen und zur Gemeinschaft am Abendmahltisch gezeigt.“

Zum Dezember 1964 erscheint dann die erste Ausgabe des Gemeindebriefs der Kreuzkirche, jetzt in dem uns wohlbekannten Din A5 Format mit eigenem Logo, das dann1975 noch einmal geändert wird.

Heute halten Sie den letzten „Gemeindebrief der Kreuzkirche“ in Händen.

Wie schon 1964 wagen wir jetzt zum Dezember 2018 und damit zum neuen Kirchenjahr Neues und verbinden neu, was schon ganz am Anfang zusammengehört hat. Fortan wird der „Gemeindebrief der Kreuz- und Auferstehungskirche“ erscheinen.

Über all die Jahre hat sich nicht geändert, dass der Gemeindebrief ein Gruß bleibt und unsere Gemeindeglieder untereinander verbindet. Wir können lesen von Entwicklungen und Veränderungen, von Neuanfängen und Abschieden, von Gruppen und Kreisen, Veranstaltungen und Festen, die unsere Gemeinde prägen und wir können uns dabei leiten lassen von dem Geist, der uns zur Gemeinde macht. Es ist der Geist Gottes, der uns gemeinsam am Reich Gottes bauen lässt und eintreten lässt für das Leben wie Gott es für uns gedacht hat.

In diesen Tagen, die von Jagd auf Menschen und rechten Parolen geprägt ist, können wir nicht anders als laut und deutlich solchen menschenverachtenden Ideologien zu widersprechen.

Ausgrenzung, Hass, Gewalt und die Missachtung der Menschenwürde wie wir sie im Rechtsextremismus erleben, stehen im krassen Gegensatz zu unserem Glauben an den Gott, der Leben schenkt und uns damit in die Verantwortung ruft, es zu achten. Er hat uns nach seinem Bild geschaffen und so kommt uns allen die gleiche Würde zu. Jesus hat es uns in seinem Leben vorgelebt.

Er hat friedlich mit den Menschen zusammengelebt. Er hat ihre Würde geachtet, ihre Freiheit respektiert und das Anders-sein als zum Menschsein gehörend ernstgenommen. Ziele mit Gewalt durchzusetzen hat er abgelehnt.

Wir treten ein für das Leben in einer bunten Welt, für ein Leben wie es Gott gut für uns meint, für ein Leben mit dem anderen, mit dem anderssein und mit Gott, der das  Gesicht des anderen trägt. In diesem Geist und in diesem Sinn leben wir hier als Gemeinde – Gott sei dank! Zeugnis davon ist auch der Gemeindebrief – in seiner alten und seiner neuen Form.

Dass der Gemeindebrief über all die Jahre erscheinen konnte und kann, ist nicht selbstverständlich. Umso wichtiger ist der große Dank an alle, die ihren Beitrag dazu leisten. Für die vergangenen Jahre danken wir den Pfarramtssekretärinnen Marie-Rose Bertsch-Jabas, Christa Westermann und Viola Gallas, den Zuständigen für Layout und Redaktion Reinhard Müller, Hanno Röder und Dirk Werhahn sowie den Damen und Herren unseres Gemeindedienstes, die so zuverlässig dafür sorgen, dass Sie ein aktuelles Exemplar des Gemeindebriefes in Händen halten können, ganz herzlich.

Freuen Sie sich jetzt mit uns an dieser letzten Ausgabe des Gemeindebriefes und bleiben gespannt auf die neuen, die folgen werden.

Ihre Pfarrerin

Bärbel Gnamm