Zu allem "Ja" und "Amen"?

Liebe Leserin, lieber Leser, den Ausspruch kann man so oder so sagen: Sagt man zu allem „Ja“ und „Amen“, dann gilt man als entscheidungsschwach und konform. Man möchte lieber in nix nai komme...

Liebe Leserin, lieber Leser,
den Ausspruch kann man so oder so sagen: Sagt man zu allem „Ja“ und „Amen“, dann gilt man als entscheidungsschwach und konform. Man möchte lieber in nix nai komme. Es wird schon recht sein, wie die Großen das vorschlagen. Man sagt dazu eben „Ja“ und „Amen“. Das ist nicht besonders aufregend, aber dafür der sichere Weg.
Aber dann gibt es den Ausspruchauch als Vorwurf: Ich muss zu allem „Ja“ und „Amen“ sagen. Ich habe keine Wahl und nach meiner eigentlichen Meinung hat mich auch niemand gefragt. Ich soll es nur abnicken. Entweder,weil ich überfordert bin oder weil mich erst niemand herausfordert. Das ist kein schönes Gefühl und manspürt in sich einen Widerstand. Wo haben sie im letzten Jahr so oderso „Ja“ und „Amen“ sagen müssen? Wenn uns die mediale Flut täglichmit nationalen und internationalen Entscheidungen konfrontiert, hat man schnell das Gefühl, dass man da nichts machen könne außer es zunehmen, wie es kommt. Aber selbst, wenn wir in Gremien und Arbeitskreisen, beruflich oder ehrenamtlich engagiert sind, haben wir manchmal das Gefühl, nur zum „Ja“und „Amen“ sagen verpflichtet worden zu sein. Dieses ungute Gefühlbeschleicht uns zuweilen alle. Dabei ist es ein so gutes Gefühl, wenn man aus voller Brust und Überzeugung „Ja“ sagen kann. Und wie befreiend ist es, aus ganzem Herzen „Amen“ zu sagen.

Es ist ihnen möglicherweise bekannt, dass „Amen“ so soll es sein oder so sei es bedeutet. Doch die hebräische Wurzel des Wortes amn ist vielkräftiger: Fest und zuverlässig sein bedeutet sie. Das verwandte Hauptwort steht für Glaube, Zuversicht, Treue und Verlässlichkeit, aber auch für Übung, eine Künstlerin oder einen Handwerker. Wer „Amen“ sagt, der sagt also mehr als nur „Ja“, vielmehr packt er vertrauensvoll mit an. Daher ist es im Gottesdienst – und zwar in allen drei monotheistischenWeltreligionen – völlig klar „Amen“ zusagen. Nach dem Eröffnungsgruß der Pfarrerin im Namen Gottes singt die Gemeinde normalerweise ein einfaches„Amen“: Packen wir den Gottesdienst an, wir sind hier und machen mit .Das „Ehr sei dem Vater“ schließt mit einem langen „Amen“ ab und die Gemeinde kann auf die Schriftlesung wie der Lektor mit „Amen“ die Treue zu Gottes Wort bekräftigen. Auf einen Kanzelgruß, z.B. „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus“(1. Kor 1,3), antwortet die Gemeinde mit einem „Amen“ voller Zuversicht und Glauben. Nach der Predigt schließt der Prediger mit „Amen“:

Er hofft, dass seine geistliche Übung handwerklich gut und zum Nutzen,zur Erbauung und zum Segen der Gemeinde war. Die Kraft des Vaterunsers kommt durch ein „Amen“ zum Ausdruck und schließlich gehen wir in die Woche unter dem Segen des dreieinigen Gottes. Klar, dass wir miteinem dreifachen „Amen“ auf den Lippen aus dem Gottesdienst in unseren Alltag entsendet werden. Egal also, ob sie auch im kommenden Jahr hin und wieder das Gefühl haben, mal so und mal so „Ja“ und„Amen“ zu etwas sagen zu müssen. Tun sie es in Gottes Dienst, dann tun sie es anders, nämlich fest und zuverlässig,voller Glaube und Zuversicht, treu und zupackend, mal als Übung, mal kunstreich, von mir aus auch mal gekünstelt. Wir können das so sagen, weil Gott zu uns „Ja“ und „Amen“ sagt– so soll es sein! Ihr Vikar M.-Fr. Schiek 

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