Der Herbst kommt

Liebe Gemeinde, kaum jemand von uns pflügt und streut noch. Manche haben einen Garten und pflanzen etwas Obst und Gemüse an. Schön, wenn es dort etwas zum Ernten gibt. Aber niemand von uns hier in der Stadt ist auf das, was dort wächst, wirklich angewiesen. Trotzdem gelten die Worte von Matthias Claudius auch für uns. Er beschreibt das Ineinander von menschlicher Arbeit und göttlichem Segen, ohne den alle unsere Mühe vergeblich ist.

Matthias Claudius macht das an einem Beispiel augenfällig: an der Arbeit in der Landwirtschaft. Den Acker vorbereiten, pflügen, streuen und düngen und hacken, das müssen wir Menschen tun. Aber auch, wenn wir das gründlich und gewissenhaft tun, heißt das noch lange nicht, dass etwas wächst und dass wir eine gute Ernte einfahren können. Gott muss seinen Segen schicken, er muss es regnen und die Sonne scheinen lassen. Wie ist das jetzt mit unserer Arbeit: in Behörden und Fabriken, in Schulen und Kindergärten. Gilt das auch für uns? Ja, das gilt auch für uns. Manchmal geben wir uns große Mühe und setzen viel Energie in ein Projekt und es wird nichts. Ein anderes Mal gelingt alles und wir sind glücklich und froh. Und oft wissen wir nicht einmal, warum das so ist. „Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn“ heißt es im Kehrvers unseres Liedes. Alle gute Gabe kommt von Gott: der Erfolg unserer Arbeit, das gute Miteinander in Partnerschaft, Familie, im Freundeskreis und in der Gemeinde, all das kommt von Gott. Weil alle gute Gabe von Gott kommt, fordert uns das Lied auf zum Dank: „Drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn.“ Ich denke, dass allen, die mit offenen Augen durch diese Herbstzeit gehen, das Danken nicht schwerfällt. Für mich hat die Erntedankzeit einen besonderen Zauber. In meinem Garten wachsen Zwetschgen und Nüsse und Äpfel. Wenn sie reif sind, hole ich die große Kuchenform meiner Ostälbler Großmutter heraus und backe: den Boden mit Hefeteig und den Belag mit verschwenderisch viel Obst. So ein Kuchen schmeckt einfach wunderbar. Eine leckere Art von Erntedank.  Lassen auch Sie sich die Früchte des Herbstes schmecken und entdecken Sie darin die Güte Gottes. Gesegnete Herbsttage wünscht Ihnen. Ihr Michael Vinçon.

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